Bin ich zu alt dafür?
Nein. Die Altersgruppe 45 bis 60 ist auf Instagram, Facebook und LinkedIn längst eine der größten, und sie kauft dort auch. Wer bei dir anfragt, prüft nicht dein Geburtsjahr, sondern ob du weißt, wovon du sprichst.
Die Frage kommt fast immer im selben Tonfall — halb im Scherz, damit sie nicht so ernst klingt. Gemeint ist sie ernst, und gemeint ist damit selten das Alter. Gemeint ist: Ich will mich nicht lächerlich machen. Ich will nicht wirken, als würde ich etwas nachmachen, das für Zwanzigjährige gedacht ist.
Diese Sorge ist berechtigt, wenn du versuchst, wie eine Zwanzigjährige aufzutreten. Sie ist unbegründet, sobald du auftrittst wie du: ruhig, sachlich, mit zwanzig Jahren Erfahrung im Rücken. Genau das ist der Vorteil, den keine junge Wettbewerberin hat. Sie muss Kompetenz behaupten, du kannst sie zeigen.
Praktisch bedeutet das: kein Tanzen, keine Trends, keine Sprache, die dir fremd ist. Ein Mensch, der etwas kann und darüber spricht, funktioniert in jedem Alter — und in deinem besser als in jedem anderen.
Muss ich das selbst können?
Nein. Du musst dich aber entscheiden: entweder du lernst das Nötige einmal richtig, oder du gibst es vollständig ab. Was nicht funktioniert, ist der Zustand dazwischen — ein bisschen selbst, ein bisschen die Nichte, ein bisschen gar nicht.
Das Nötige ist weniger, als die meisten befürchten. Für einen Kanal, der trägt, brauchst du kein Videoschnittprogramm und keine Grafiksoftware. Du brauchst ein Telefon, das du ohnehin hast, eine Uhrzeit in der Woche, zu der du das machst, und die Bereitschaft, in eine Kamera zu sprechen wie zu einer Kundin.
Die Technik ist bei fast keiner Frau das eigentliche Hindernis. Das Hindernis ist die Entscheidung, was überhaupt gesagt werden soll — und die nimmt dir keine Software ab. Deshalb ist ein Nachmittag mit jemandem, der neben dir sitzt, meist mehr wert als vier Wochen Videokurs.
Wenn du es abgibst, bleibt trotzdem ein Rest bei dir: Du entscheidest, wofür du stehst, du bist beim Drehen dabei, und du liest einmal im Monat mit, was gelaufen ist. Wer dir sagt, du müsstest gar nichts mehr tun, meint einen Kanal, auf dem nichts von dir vorkommt.
Wie viel Zeit kostet mich das?
Selbst gemacht sind es realistisch drei bis fünf Stunden pro Woche: denken, aufnehmen, schreiben, auf Nachrichten antworten. Abgegeben bleiben ein halber bis ganzer Drehtag im Monat und ein Gespräch von dreißig bis sechzig Minuten.
Die drei bis fünf Stunden erschrecken viele. Sie sind trotzdem die ehrliche Zahl, und sie sind der Grund, warum so viele Kanäle nach sechs Wochen wieder stillstehen: Der Rat „poste täglich" stammt aus einer Welt, in der Social Media der Beruf ist und nicht die Aufgabe neben dem Beruf.
Für ein Ein-Frau-Geschäft ist zweimal pro Woche über zwölf Monate deutlich mehr wert als täglich über sechs Wochen. Nicht weil weniger besser wäre, sondern weil nur das eine durchzuhalten ist. Ein Kanal, der ein Jahr lang lebt, wird gefunden; einer, der im März aufhört, sieht im November aus wie ein aufgegebenes Geschäft.
Der größte Zeitfresser ist übrigens nicht die Aufnahme, sondern das Überlegen. Wer einmal im Monat eine Stunde plant und danach nur noch abarbeitet, kommt mit der Hälfte der Zeit aus.
Welche Plattform ist die richtige?
Die, auf der deine Kundinnen ohnehin sind — und nur eine davon. Für Privatkundschaft ist das meistens Instagram, im Geschäft mit Firmen LinkedIn, bei örtlicher Kundschaft über fünfzig oft Facebook.
Vier Profile, auf denen alle acht Wochen etwas passiert, wirken schlechter als eines, auf dem jede Woche etwas passiert. Das ist keine Geschmacksfrage: Wer auf deinem halbtoten Profil landet, schließt daraus auf dein Geschäft, nicht auf deine Zeitplanung.
Drei Fragen führen fast immer zur Antwort. Erstens: Wo sind die Menschen, die dich bezahlen — beruflich unterwegs oder abends auf dem Sofa? Zweitens: Was fällt bei deiner Arbeit an, Bilder oder Sätze? Drittens: Welche App öffnest du selbst, ohne dich zu überwinden? Wo sich zwei Antworten treffen, ist dein Kanal.
Die anderen Namen darfst du dir trotzdem sichern, damit sie später frei sind. Ein reservierter Name ohne Beiträge ist kein Problem — ein bespieltes Profil, das seit einem Jahr schweigt, schon.
Muss ich vor die Kamera?
Für Personal Branding irgendwann ja, für Social Media allgemein nein. Es gibt Formate, die ohne dein Gesicht auskommen — sie brauchen dafür mehr Material aus deiner Arbeit, und in beratenden Berufen wirken sie schwächer.
Fast niemand mag sich auf Video. Das liegt nicht an dir und nicht an deinem Alter, sondern daran, dass du dein Gesicht seit Jahrzehnten spiegelverkehrt kennst. Die Aufnahme zeigt dich seitenrichtig, also so, wie alle anderen dich sehen — fremd wirkt sie nur für dich.
Wer verkauft, was man anfassen kann, kommt ohne Gesicht weit: Hände bei der Arbeit, das Ergebnis, der Ort. Wer Beratung, Therapie, Coaching oder Handwerk auf Vertrauensbasis verkauft, zahlt für die Anonymität mit Anfragen. Bei diesen Berufen ist das Gesicht kein Schmuck, sondern die Ware.
Der Mittelweg funktioniert besser als jede Grundsatzentscheidung: erst die Stimme über Bilder deiner Arbeit, dann kurze Aufnahmen ohne Ton, dann irgendwann zwanzig Sekunden in die Kamera. Die meisten Frauen sind nach einer halben Stunde Übung entspannter, als sie es für möglich gehalten hätten.
Was kostet es, das abzugeben?
In Deutschland liegt die Spanne für laufende Betreuung etwa zwischen 300 € und 5.000 € im Monat. Bei FemAera kostet der einmalige Start 690 € netto, die monatlichen Pakete kosten 799 €, 1.549 € und 2.299 € netto bei drei Monaten Laufzeit.
Die Spanne ist so groß, weil unter demselben Wort völlig verschiedene Dinge verkauft werden. Für 300 € im Monat bekommst du in aller Regel Grafiken aus einer Vorlage, gefüllt mit Text, den jemand über dich schreibt, ohne dich je gesprochen zu haben. Das ist nicht unseriös, es ist nur etwas anderes als Sichtbarkeit.
Teurer wird es dort, wo jemand zu dir fährt und etwas aufnimmt, das es nur bei dir gibt. Der Drehtag ist der eigentliche Kostentreiber, nicht das Veröffentlichen — und er ist auch der Teil, an dem die meisten allein scheitern.
Rechne ehrlich gegen: Drei Stunden deiner Woche sind bei einem Stundensatz von 90 € rund 1.080 € im Monat. Wer diese Zeit lieber in bezahlte Arbeit steckt, für den ist Abgeben nicht die teure, sondern die günstige Variante. Wer die Stunden ohnehin frei hat, für den ist es umgekehrt. Alle genannten Preise sind netto, dazu kommen 19 % Umsatzsteuer.
Wie lange dauert es, bis etwas passiert?
Erste Reaktionen kommen meist innerhalb weniger Wochen, ernsthafte Anfragen erfahrungsgemäß nach drei bis sechs Monaten. Wer dir nach vier Wochen Kundinnen verspricht, verkauft dir etwas.
Der schwierigste Punkt liegt etwa beim vierten Beitrag. Bis dahin war es neu, ab dann ist es Arbeit, und die Zahlen sagen noch nichts. Genau hier hören die meisten auf — nicht weil es nicht funktioniert, sondern weil sie zu früh nachgesehen haben.
Was in dieser Zeit trotzdem messbar ist: ob dein Profil in fünf Sekunden verständlich macht, was du anbietest. Ob dich jemand anschreibt statt kommentiert. Ob dich bei einem Gespräch jemand mit „ich hab dich gesehen" begrüßt. Diese Zeichen kommen vor den Zahlen, und sie zählen mehr.
Deshalb liegt die Laufzeit einer Zusammenarbeit bei drei Monaten und nicht bei einem. Nicht um dich zu binden, sondern weil vier Wochen nichts beweisen — weder für noch gegen die Sache.