Ich weiß, warum du auf die Zahl schaust. Sie steht jeden Morgen da, und sie ist das Einzige, was sich anfühlt wie eine Antwort auf die Frage, die du dir seit Monaten stellst: War es richtig, das hier anzufangen?
Das Gefühl ist echt — und trotzdem ein schlechter Ratgeber
Diese Zahl gibt dir Selbstvertrauen, und das ist nichts Nebensächliches. Du hast mit über vierzig etwas Neues angefangen, gegen Zweifel von außen und meistens auch von innen. Dass du einen Beleg suchst, ist verständlich.
Nur misst sie nicht, was du glaubst. Sie zählt Menschen, die einmal auf einen Knopf gedrückt haben — nicht Menschen, die dich bezahlen werden. Und deshalb nimmt sie dir das Selbstvertrauen genauso schnell wieder. Ein Kanal mit zweitausend Followern und null Anfragen zermürbt mehr als einer mit zweihundert, aus dem jeden Monat jemand schreibt.
Was ein toter Follower ist
Nicht jeder, der dir folgt, sieht dich je wieder. Tote Follower stehen in deiner Zahl, bekommen deine Beiträge aber nie zu Gesicht oder wischen sie weg:
- Gefälligkeitsfolger — Bekannte, ehemalige Kolleginnen, die Nachbarin. Sie folgen, weil du es bist, nicht wegen deines Themas.
- Zurückfolger — du folgst, sie folgen zurück, keiner liest.
- Das falsche Fach — andere Selbstständige, die dein Thema beruflich interessiert und die niemals kaufen. Davon sammeln sich erstaunlich viele an.
Keine dieser Gruppen ist böse. Sie sind nur nicht deine Kundinnen.
Rechne nach, wie wenige du brauchst
Nimm an, du willst zwölf neue Kundinnen im Jahr. Bei 1.500 Euro pro Auftrag sind das 18.000 Euro. Zwölf im Jahr ist eine pro Monat. Etwa jedes dritte ernsthafte Gespräch führt zu einem Auftrag, also brauchst du drei Gespräche — und dafür vielleicht dreißig Menschen im Monat, die dich wahrnehmen und ein paar davon, die dich für zuständig halten.
Dreißig aufmerksame Menschen im Monat. Dafür braucht niemand zehntausend Follower. Die Zahlen sind Beispielwerte, keine Zusage; deine Quote hängt an Preis, Angebot und Ort. Aber die Größenordnung stimmt.
Warum die falschen Follower dich ausbremsen
Tote Follower sind nicht neutral. Sie kosten dich.
Die Plattformen entscheiden anhand der ersten Reaktionen, wem sie einen Beitrag noch zeigen — und zwar im Verhältnis: wie viele von denen, die ihn gesehen haben, tun etwas damit. Läuft dein Beitrag zuerst bei dreitausend Menschen, die dein Thema nichts angeht, passiert nichts. Die Plattform liest das als „interessiert keinen“ und hört auf, ihn weiterzugeben. Auch denen gegenüber, die ihn gebraucht hätten.
Dazu der leisere Schaden: Wer für ein Publikum schreibt, das nicht kauft, schreibt irgendwann automatisch das, was diesem Publikum gefällt. Das ist der Punkt, an dem Kanäle jahrelang laufen und nie etwas einbringen.
Die richtigen bekommst du nicht zufällig
Schreib über das, wofür man dich bezahlt. Über das Problem, mit dem jemand am Freitagabend bei dir anrufen würde — nicht über Sichtbarkeit im Allgemeinen.
Sag, für wen du da bist. Ein Beitrag, der klar sagt „für Frauen, die spät anfangen“, verliert die anderen. Genau das soll er.
Nimm die konkrete Frage. „Was kostet das eigentlich?“ bringt Menschen mit Kaufabsicht. „Fünf Tipps für mehr Sichtbarkeit“ bringt Kolleginnen.
Der Preis dafür: Die Zahl wächst langsamer, manchmal steht sie wochenlang. Das auszuhalten ist die eigentliche Arbeit.
Woran du misst, ob es die richtigen sind
Vier Zahlen sagen mehr als die Followerzahl, und alle stehen in deiner Profilstatistik: Profilaufrufe (wer hat nachgesehen, wer du bist), gespeicherte Beiträge (wer speichert, will später etwas damit anfangen), Fragen in Nachrichten und Kommentaren — nicht „schön“, sondern „wie machst du das“ — und Anfragen, die einzige Zahl, die am Monatsende zählt. Schreib sie monatlich in eine Tabelle; nach einem halben Jahr siehst du eine Richtung, die dir keine Followerzahl zeigt.
Wenn diese vier steigen und die Followerzahl steht, machst du alles richtig.
Behalte also das Selbstvertrauen — hol es dir nur woanders her. Nicht aus der Zahl, die morgens dasteht, sondern aus der Nachricht: „Genau das ist mein Problem, was kostet das bei dir?“
Bleibt dein Profil trotz Followern still, liegt es fast nie an der Menge. Die häufigsten Gründe stehen in Warum weiß niemand von dir? — und keiner davon heißt zu wenig Reichweite.
Wenn du wissen willst, wo du stehst
Im Erstgespräch sehe ich mir deine Zahlen an und sage dir, ob dir Reichweite fehlt oder etwas anderes. Meistens ist es etwas anderes. Dreißig Minuten, kostenlos.