Eine Abfindung ist kein Einkommen, sondern eine Frist. Sie kauft dir eine bestimmte Anzahl Monate, in denen du etwas aufbauen kannst — und weil die Summe feststeht, entscheidet nicht ihre Höhe über den Ausgang, sondern die Reihenfolge, in der du sie ausgibst.
Die meisten geben zuerst für das aus, was sich nach Fortschritt anfühlt, und zuletzt für das, was Anfragen bringt. Deshalb hier die umgekehrte Reihenfolge.
Was zuerst kommt
Der Puffer. Bevor du irgendetwas anschaffst, leg fest, wie viele Monate du ohne Umsatz überstehst, und rühr diesen Teil nicht an. Das ist keine Vorsichtsmaßnahme, sondern eine Preisfrage: Wer aus Not verhandelt, gibt Nachlässe, die er zwei Jahre lang nicht mehr los wird.
Die Entscheidung, was du für wen anbietest. Kostet meistens gar nichts außer ein paar unbequeme Nachmittage, und alles Weitere hängt daran. Wenn du sie nicht allein triffst, kostet eine einzelne Sitzung dafür 349 € netto — deutlich weniger als drei Monate Betreuung für ein Angebot, das noch nicht steht.
Ein Ort, an dem man dich findet und erreichen kann. Eigene Seite, Eintrag bei Google mit Ort, ein Kontaktweg. Der Google-Eintrag kostet nichts und wirkt lokal schneller als alles andere.
Die Fachleute für Zahlen und Verträge. Steuerberatung, und je nach Fall Rechtsberatung. Ich sage dir bewusst nicht, was für deine Abfindung steuerlich gilt oder wie sie sich zu Arbeitslosengeld oder Gründungszuschuss verhält — das hängt am Einzelfall und gehört zu den Ausgaben, an denen zu sparen am teuersten ist. Wen ich außerhalb meines Fachs empfehle, steht unter Expertinnen.
Was warten kann
Laufende Betreuung deiner Kanäle. Sinnvoll, sobald klar ist, was du verkaufst — vorher verstärkt sie nichts. Bei mir sind das einmalig 690 € netto für das Fundament und ab 799 € netto im Monat bei drei Monaten Laufzeit; für die ersten drei Monate zusammen also 3.087 € netto, mit 19 % Umsatzsteuer 3.673,53 €. Das ist eine Zahl, die man vorher wissen sollte, statt sie in Monatsraten zu übersehen.
Personal Branding. Einmalig 1.590 € netto, und es lohnt sich, wenn du selbst das Angebot bist — Beratung, Coaching, Therapie. Wenn du ein Produkt verkaufst, kommt es später.
Videoproduktion mit Drehtag. Gut, aber nicht am Anfang. Erst wenn du weißt, worüber du sprichst, lohnt es sich, es ordentlich aufzunehmen.
Alles Zweite. Zweiter Kanal, zweites Angebot, zweite Zielgruppe. Was in den ersten neunzig Tagen nicht auf eine Sache einzahlt, ist eine Ablenkung mit Rechnung. Mehr dazu in Selbstständigkeit. Ideen. Chaos.
Wofür ich das Geld nicht ausgeben würde
- Ein Logo für vierstellige Beträge. Deine ersten Kundinnen kommen nicht wegen einer Bildmarke. Sie kommen, weil jemand ihr Problem in ihren Worten beschrieben hat.
- Werbeanzeigen, bevor das Angebot steht. Anzeigen verstärken, was da ist. Ist nichts da, verstärken sie nichts — nur schneller.
- Der vierte Onlinekurs. Wer schon zwei ungenutzte Kurse im Konto hat, hat kein Wissens-, sondern ein Umsetzungsproblem.
- Follower oder Reichweite kaufen. Zahlen ohne Menschen dahinter kosten dich später Sichtbarkeit bei denen, die wirklich zuhören würden.
- Technik auf Vorrat. Kamera, Licht, Mikrofon, Schnittprogramm. Das Handy in deiner Tasche reicht für das erste halbe Jahr.
Die Frage vor jeder Ausgabe
Nicht „kann ich mir das leisten“, sondern: Bringt mich das der ersten zahlenden Kundin näher, und in welchem Schritt?
Wenn du die Antwort nicht in einem Satz sagen kannst, ist es zu früh. Rechne außerdem gegen: Was ist eine Kundin bei dir wert? Bei einem Angebot für 1.500 € trägt sich ein monatlicher Posten von 799 € ab der ersten. Bei einem Angebot für 90 € brauchst du neun — und dann ist das Gespräch über deine Preise dringender als jede Ausgabe.
Was hier bewusst nicht steht
Wie deine Abfindung besteuert wird, ob eine Verteilung über mehrere Jahre für dich günstiger ist und was das mit Sperrzeiten zu tun hat. Das sind gute Fragen, aber es sind keine, die ich beantworten darf. Stell sie jemandem, der dafür haftet — bevor das Geld auf dem Konto liegt, nicht danach.